Die Transplantation

Shownotes

Mitten in der Nacht klingelt das Telefon – und Christian Grebmer erhält die Nachricht, dass ein neues Herz auf ihn wartet. In der vierten Folge von Herzensgeschichte sprechen er und seine Frau Carmen Grebmer mit Kurt Aeschbacher über die Stunden nach dem Anruf, über die Herztransplantation und die bewegenden Momente nach dem Eingriff.

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00:00:05: Ich begrüße Sie, liebe Zuhörerinnen und Zuhöre zu unserer vierten Folge von Herzensgeschichte.

00:00:12: Darin begleiten wir den thirty- achtjährigen Kardiologen Christian auf seinem Weg zu einem neuen Herz.

00:00:20: Der junge Familienvater stand bis vor rund zwei Wochen auf der Liste für ein Spenderherz.

00:00:26: Nun wurde Ihnen erfolgreich ein neues Organ transplantiert.

00:00:30: So meine wichtigste Frage, liebe Christian!

00:00:33: Wie geht es dir?

00:00:37: Die Frage ist schwierig, man traut sich fast gar nicht zu sagen Es geht eigentlich den Umständen entsprechend relativ gut.

00:00:44: Es sind noch so die Medikamente, die jetzt eingestellt werden, die mich so ein bisschen beeinträchtigen.

00:00:51: in dem Sinn Schmerzen habe ich zum Glück wenig bis keine Und die Wunde verheilt auch sehr schön momentan, also eigentlich als sehr zufriedenstellender Verlauf.

00:01:01: Nach zwei Wochen vielleicht?

00:01:04: Wie lange musst du noch hier im Spital bleiben?

00:01:07: Der Plan ist jetzt so, dass ich bis Montag noch, also bis es ungefähr dann sind sechs, siebzehn Tage, die Sie im Spinal in Summe verbringen und dann geht's in die Reha für zwei bis drei Wochen je nachdem

00:01:19: Du sagst, es geht dir relativ gut.

00:01:23: Sind es dann primär die Medikamente, die dich schwächen?

00:01:26: Oder was hast du für ein Gefühl, woher kommt das leichte Unwohlsein, wenn ich das so sagen darf?

00:01:33: Ich glaube unter drei vielleicht ein bisschen, weil ich mich den Umständen entsprechend anpasse und auch entsprechend vorher schon angepasst habe also bevor das Organ gekommen ist.

00:01:43: Was auf jeden Fall ist, ist dass die Muskulatur komplett weg ist.

00:01:46: Also nach dem Eingriff... keine Chance gehabt, alleine aufzustehen.

00:01:51: Also ich brauchte Hilfe beim Aufstehen dergleichen und ich merk's halt auch jetzt noch jeden Mal aufstehen.

00:01:56: muss ich hilf brauche ich Hilfe oder muss ich mir selber mich abstützen bin nicht so lang belastbar kann vielleicht drei mal in den Gang gehen.

00:02:04: also das ist einfach der Muskel die Muskulatur man einfach zu macht wie man so schön sagt Das ist schon noch so das ist limitierende momentan und sagen wir so dass bewegt sich hier alles in einem gewissen Rahmen indem man sagt, wie es mir geht im Endeffekt.

00:02:19: Für die Umstände für das was gewesen ist bin ich sehr zufrieden aber sie natürlich auch so.

00:02:25: gewisse Dinge kriegt man erst im Nachhinein ein bisschen mit.

00:02:28: und jetzt ist halt gerade noch so mit den Medikamenten dass die eingestellt werden.

00:02:32: Man ist doch unter recht hohen Quartison-Losen man hat auch recht hoch stark immun schwächende Medikamente Und das sorgt schon für eine gewisse innere Unruhe.

00:02:43: Gott, die Sohn ist ja auch bekannt dafür.

00:02:45: Heishunger und so weiter... Also es ist natürlich jetzt in wirklich einen gewissen Rahmen zu sehen.

00:02:52: Dieses Mir geht's gut!

00:02:53: Und fühlt sich dein neues Herz in deinem Körper wohl?

00:02:57: Ja sehr.

00:02:58: Das kann ich ganz sicher so bestätigen ohne lang drüber nachdenken zu müssen.

00:03:03: Hat lustigerweise ein spannendes Erlebnis im Rahmen von der ersten Kontrolle jetzt an.

00:03:09: Also es gab schon einen Ultraschall, ein Herzultraschal wo ich das wirklich sehen konnte.

00:03:14: Das erste Mal, dass neue Herzen arbeiten und für mich war das so... Hey!

00:03:20: Du hast das erste mal in deinem Leben ein gesundes Herz.

00:03:23: Und wenn du plötzlich wie ein Ultraschild schaust und erkennst einfach, hey!

00:03:29: Das ist ja alles normal groß.

00:03:32: Das ist jetzt nicht irgendwie vergrößert die Klappen sind alle dicht.

00:03:35: Das arbeitet fleißig und nicht irgendwie.

00:03:39: Das eiert nicht, sagen wir mal so.

00:03:41: Aber dieses Gefühl ist ja unbeschreiblich!

00:03:45: Was ist dann mit deinem sozusagen Alten und in dem Sinne etwas leierenden Herzen passiert?

00:03:54: Es wird jetzt mal kaberkurt aber ich wollte das unbedingt haben.

00:03:58: Ich habe damals überlegt was ich damit machen möchte.

00:04:01: Und dann habe mich ein bisschen schlaug gemacht.

00:04:03: und da hat der Georg gesagt Man kann das konservieren, manche verbrennen es.

00:04:10: Manche begraben's und so weiter.

00:04:12: Für mich ist das eigentlich keine Option.

00:04:14: Das Herz hat jetzt siebenundreißig Jahre mit mir mitgemacht.

00:04:17: Das soll bei mir bleiben!

00:04:19: Ich möchte es konserviert werden.

00:04:20: Also ich möchte es einlegen lassen.

00:04:23: Aber einlegen ist halt nicht die ideale Lösung dafür.

00:04:26: Und da Kirurg hat uns dann auf eine Idee gebraucht und wird jetzt wirklich plastiniert.

00:04:32: gerade

00:04:33: Also wie bei den Körperwelten, die vielleicht einige

00:04:36: auch

00:04:36: kennen.

00:04:37: Dass man ganze Körper so sozusagen fixiert und...

00:04:41: Es wird wirklich komplett fixiert.

00:04:44: Also plastiniert!

00:04:45: Und dann bekomme ich es.

00:04:47: Und dann geht's wohin?

00:04:48: Bei mir zu Hause.

00:04:50: Ich weiß nur nicht wo, ich habe noch keinen Platz dafür.

00:04:54: Es wird sicher nicht so ganz offensichtlich sein weil ich möchte Besucher auch nicht gleich erschrecken oder so.

00:05:00: aber es gehört zu mir Und ich finde einfach, warum sollte dieses Organ das mich sieben und dreißig Jahre so getragen hat?

00:05:08: Mehr oder weniger gutgetragen hat.

00:05:10: Oder zu Friedenstellen, die man natürlich wäre schön, wenn es bis zum Schluss gegangen wäre.

00:05:13: Aber es ist heute nicht anders gegangen.

00:05:16: Ich will das einfach aufbewahren und das gehört einfach zu

00:05:18: mir.".

00:05:19: Wie hast du jetzt die Nacht vor dem Eingriff in Erinnerung?

00:05:29: ein SMS von dir gekriegt in der Nacht.

00:05:31: Ich war noch im Flieger, kam zurück von einer Reise und du hast gesagt jetzt geht es los mit was für einem Gefühl?

00:05:42: Unbeschreiblich!

00:05:43: Du kannst das nicht beschreiben.

00:05:46: Diese Situation wird natürlich auch nicht vergessen.

00:05:48: ich bin mit meiner kleinen großen Tochter im Bett gelegen weil die hat.

00:05:52: wir sind ausgezogen an dem Abend, wir sind ins andere Zimmer gegangen.

00:05:56: Plötzlich klingelt es um zwei Uhr morgens das Telefon und ich denke mal so, was ist jetzt los?

00:06:04: Vielleicht ruft die Arbeit an.

00:06:05: Kann ja sein!

00:06:06: Also ich habe nicht gecheckt, dass es eventuell das Herz sein könnte.

00:06:11: Und dann war ich halt wirklich wie durch den Wind.

00:06:13: und dann habe ich das Telefon, habe ich so abkommen.

00:06:17: Christian Wirhaber hat ein neues Herz für dich.

00:06:19: Deine lehnische Kollegin.

00:06:22: Ich habe gesagt, Christian wir haben einen herz für dich.

00:06:26: Ich habe wirklich immer gestottert und habe nicht gewusst, ist das jetzt ein Scherz?

00:06:30: Träum ich noch.

00:06:31: Bin ich wach oder bin ich nicht wach?

00:06:33: Was ist jetzt

00:06:34: los?".

00:06:34: Dann habe ich gesagt, gib mir bitte mal fünf Minuten oder zehn Minuten!

00:06:37: Ich muss mich ganz kurz sammeln.

00:06:39: Ruf in zehn Minuten einfach nochmal an.

00:06:42: Und dann habe ich schon aus dem Nachbarzimmer gehört... ...und ist da!

00:06:48: Jetzt ist es so weit, oder wie?

00:06:52: Dann habe die Nervosität hochgekommen.

00:06:56: Ich kann es kaum beschreiben, was du in dem Moment durch den Kopf gehst.

00:07:01: Es war einfach surreal!

00:07:05: Macht es Angst tatsächlich, ob der Eingriff auch erfolgreich sein wird?

00:07:13: Ja die Angst ist natürlich immer dabei.

00:07:16: Die Angst ist immer dabei wobei ich sagen muss für mich selber... Du kannst dir nix machen.

00:07:23: Du musst dich jetzt fallen lassen Du musst das abgeben.

00:07:26: Du bist jetzt nicht Arzt, du bist jetzt

00:07:28: Patient.".

00:07:29: Und sowieso solltest du dir jetzt verhalten und die Dinge reinmischen und einfach jetzt die anderen arbeiten lassen, ihr Ding machen lassen und darauf vertrauen, dass es gut kommt?

00:07:41: Und wer kriegst du denn mit?

00:07:43: Wie schnell musste alles gehen?

00:07:45: Es war gegen drei Uhr.

00:07:47: am Morgen.

00:07:48: seid ihr losgefahren nach Bern von Luzern.

00:07:53: muss man sich da unbedingt beeilen oder kann man sich auch ein bisschen Zeit lassen?

00:07:58: Also wir haben uns eigentlich recht viel Zeit lassen können.

00:08:00: Wir mussten ja noch immer so vorab einen Notfallplan erstellen, wie machen wir es wenn der Anruf in der Nacht kommt?

00:08:06: und wer schaut im ersten Moment auf die Kinder?

00:08:09: Wie organisieren wir uns da?

00:08:11: und so weiter?

00:08:11: Und kamen es Patentante, wohnt in der Nähe.

00:08:14: Die haben wir versucht um eine Stunde zu erreichen weil sie das Telefon nicht abgenommen hat.

00:08:17: Dann haben wir sie irgendwie über die Nachbarschaft geschafft, dass die Schwägerin, die gegenüber ihr von ihr wohnt, hat sich dann geweckt für uns.

00:08:25: Da sind die hier gekommen und danach haben wir uns eigentlich in Ruhe fertig gemacht.

00:08:31: Sobald die dann da waren und dann sind wir los!

00:08:34: Wir hatten Zeit, wir waren zwischen fünf... Und sechs und sieben hätte man in Bern sein sollen.

00:08:40: Das haben wir eigentlich geschafft, das war jetzt nicht so dass es innerhalb von einer halben Stunde gehen muss.

00:08:46: Was passiert wenn man ankommt im Spital mit einem?

00:08:52: Auch das ist wieder ein surrealer Moment.

00:08:54: ich glaube du gehst da einfach durch!

00:08:56: Du merkst gar nicht so... Jetzt kannst du dir kommen kann das vielleicht sogar noch besser beurteilen weil Sie sind diejenige die mich beobachtet hat.

00:09:03: für mich selber aber okay jetzt bist du da jetzt geht's los reißt dich zusammen Mach mal's, gehen wir es an.

00:09:09: Also relativ ... Du bist in dem Moment im Modus operandi.

00:09:15: Du denkst nicht viel nach in diesem Sinn.

00:09:17: Dann sagst du, das brauchen wir, das braucht man.

00:09:19: Das haben wir beieinander.

00:09:21: Es ist recht nüchtern in dem moment.

00:09:23: Aber da kann Kramen sicher noch besser berichten davon, weil sie einfach als Kontrapart dabei war und auch funktioniert hat... In dem Moment funktionierst du noch?

00:09:36: Ich möchte noch einen Moment bei dir bleiben.

00:09:39: Kannst du dich an den ersten Moment erinnern, als du nach der Operation erwacht bist und festgestellt hast, ich bin im Spital und habe ein neues Herz?

00:09:51: Nein!

00:09:52: Ich kann mich dann wenig bis gar nicht erinnernden.

00:09:55: Es war ein bisschen ein verlängertes Verlauf gegeben.

00:09:59: Das muss Karin weiterersehen weil ich weiß davon nicht mehr viel... Man war nur froh, dass ich kredet hab und irgendein Blödsinn kredete.

00:10:06: Beziehungsweise gewisse Dinge dann benennen konnte wieder.

00:10:09: Aber so genau kann ich mich daran erinnern.

00:10:11: aus Intensivstationszeit weiß ich fast gar nix außer, dass sie mega durstig war.

00:10:16: also ihr habt es so durcht gehabt, ich war so durstige und durfte nicht zu viel trinken.

00:10:21: Bitte gibts mal was zu trinken!

00:10:22: Bitte gib's mal was zutrinken!

00:10:24: Ich weiss ich bin lästig aber bitte was zu Trinken!

00:10:27: Also der Durst war unerträglich fast... Und alles andere.

00:10:32: ist damit Zeit für ein Böge gekommen.

00:10:36: Aber so viel kann ich mich nicht erinnern.

00:10:38: im ersten Moment, muss ich sagen.

00:10:40: Aber hat diese Erfahrung als Patient dein Verhalten als Arzt jetzt auch irgendwie verändert?

00:10:48: Immer schon!

00:10:49: Aber du hast es vorher schon gewesen.

00:10:51: Ich bin seit zwanzig Jahren das alles bekannt... Ich habe mich eigentlich immer als beideseits gesehen, sowohl als Patient als auch als Arzt und das macht es natürlich viel einfacher aber auch schwerer manchmal.

00:11:03: Aber ich finde einfach so du kriegst einen anderen Zugang.

00:11:05: Du weißt was würde den Patienten vielleicht ganz gut tun?

00:11:09: Was hilft in dem Moment

00:11:10: usw.?

00:11:11: Also es verändert auf jeden Fall, aber im erster Linie bist du in dem moment Patient.

00:11:18: Und du darfst die nicht zuviel einmischen.

00:11:21: Also das ist so für mich das Credo immer gewesen.

00:11:22: Ich bin ja schon manchmal zu weit aus dem Fenster lehnen wie manchmal und misch mich zu viel in die eigene Behandlung ein, das mag man natürlich auch nicht so.

00:11:31: Man kann das auf professionellen Diskurs oder professioneller Ebene versuchen aber nie jetzt hergehen und sagen hey, so machen wir es nicht!

00:11:38: Und so machen sie es nicht.

00:11:40: Die Anesthesistin hat dann auch noch eine Geschichte erzählt.

00:11:44: Sie ist dann extra... Anesthisistin, die Anakosiärztin ist dann nochmal gekommen paar Tage später als ich dann schon auf Normalstation war.

00:11:50: Und hat so ein bisschen erzählt, wie die Vorbereitung für die Operation war und der ich mich jetzt nicht zu erinnern konnte.

00:11:56: Weil es einfach diese ganzen Zugänge legen usw.

00:11:59: Und dann hat sie wohl gesagt, ich habe geredet... Zuerst einmal wollte ich bitte was zur Beruhigung?

00:12:06: Das hab' ich wirklich gleich von Anfang an verlangen.

00:12:08: Bitte schießt's mich ab!

00:12:09: Ich will nichts mitbekommen!

00:12:11: Das waren so meine ersten Worte.

00:12:14: Das verhindert natürlich ein bisschen und dementsprechend wird die Zungen gelocker, man plaudert sehr viel.

00:12:19: Und offensichtlich habe ich sehr viel geplaudert – ganz unverständlich!

00:12:25: Die Anästhesistin wusste, dass sich sehr viel von meiner Familie gesprochen hat oder hauptsächlich von meiner Familien.

00:12:32: Dann habe ich noch gesagt dann gebe ich wie schön und welchen tolles Fach die Kardilogie ist.

00:12:37: Und ich habe ihnen so durch die Blume gesagt, ihr habt es alle das falsche Fach gewählt.

00:12:42: Ihr hättet's alle in die Kardiologie gehen sollen, weil das aber der schönste Fach von allen ist und das nächste war ein bisschen auf Power.

00:12:49: Ich hab den Assistenz aus der Kardiologie, der auch kurz dabei war, ein bisschen nervös gemacht, ein bissel rundgemacht Weil er etwas nicht verstanden hat, was er gemacht hat, weil er muss ... ich habe den LV vorher drin gehabt und vor der Operation sollte man denn hier ausschalten Der ist ja rausgekommen, das heißt eigentlich braucht man den jetzt nicht testen mit der Strom wie viel Strom er braucht und so weiter und sofort sondern eigentlich muss man ihn nur ausschalten.

00:13:18: Das weiß ich nämlich noch ein bisschen.

00:13:22: Und dann dauert es, dann macht er die Tests und ich sage zu ihm Du Esel!

00:13:29: Du sollst nicht testend, du sollst einfach ausschalten dass der Chirurg mit einer Operation einen Stromschlag kriegt Ja, brauchst du nicht machen.

00:13:38: Du weißt, wie's geht seit Holstein-Oberarzt?

00:13:41: Ich hab noch nie die Chance gehabt mich bei ihm zu entschuldigen ... Aber das sind diese Momente, wo sich die Logik bei mir einfach trotz allem ... Diese Logik, die er hatte in dem Moment war nicht nachvollziehbar.

00:13:54: Weil es kommt ja alles raus für was denn?

00:13:55: Was musst jetzt noch grad testen?

00:13:57: Aber eigentlich warst du schon im Halbschlaf oder im Ganzschlaf?

00:14:02: Das

00:14:02: sind diese Phasen, diese blaue Traumphasen fast das Wahrheit sehr ummäßig unterwegs ist.

00:14:11: Und meine drei Sachen, Arbeit, Familie und den Assistenz als Grund machen.

00:14:16: Aber es hat jeder Verstanden im Nachhinein.

00:14:19: Den Herrn musst du noch treffen und ihm das erklären?

00:14:22: Also bei seinem Chef habe ich mich schon entschuldigt!

00:14:26: Das wird in seine Geschichte eingehen wahrscheinlich ja...

00:14:30: Ich hoffe.

00:14:32: Es wäre unsinnig gewesen.

00:14:34: Das hofft Ihnen was in das Bleib.

00:14:35: Der solle etwas lernen auch davon.

00:14:38: Wir haben jetzt deine Sicht der Erfahrungen besprochen und ich würde gern noch mit Carmen, deiner Gemalin reden.

00:14:49: Und zwar sie hat ja noch eine ganz andere Sicht auf das was alles geschehen ist, Carmen.

00:14:55: Ohja!

00:14:58: Hattest du die letzten zwei Wochen immer wieder große Angst?

00:15:04: Ja also... Ich würde sagen, die ersten vier Tage waren wirklich ein einziges Auf und Ab.

00:15:13: Das war auch traumatisierend für mich das mitzuerleben, obwohl man sich so gut darauf vorbereiten konnte.

00:15:23: Was heißt sein auf und ab?

00:15:25: Was ist dann geschehen?

00:15:26: Christian hat es ein bisschen vorenthalten, aber es ging ja eigentlich schon los wie der Anruf gekommen ist.

00:15:33: Christian hat auf den Anrufe damit reagiert ... angefangen hat, langsam Rhythmusstörungen zu entwickeln.

00:15:40: Also Rhythmustörungen die er zwar gut toleriert hatte aber trotzdem Rhythmusstörungen und bei mir ist dann einfach schon mal die Panik richtig hoch gefahren.

00:15:47: ich meine Ich hatte das von diesen Reanimationen ja schon gut im Kopf.

00:15:51: Oh Gott das Himmelswellen.

00:15:52: jetzt kam der Anruf bitte bitte bitte bleibt stabil!

00:15:56: Ich muss ihn irgendwie einigermaßen heil ins Krankenhaus kriegen dass er überhaupt eine Chance hat auch dieses Herz zu bekommen.

00:16:05: Ja, also da ging es dann sozusagen diese Achterbahnfahrt schon los und für mich war's auch wirklich wahnsinnig stressig die Leute zu alarmieren im Vorfeld.

00:16:14: Das war wirklich wie verhext wir haben niemanden erreicht Und dann funktioniert auch das Gehirn nicht so richtig gut.

00:16:22: Also wir haben uns ja wirklich Mühe gegeben, aber es war dann wirklich nur die Panik.

00:16:26: wie schaffen wir das ihn ruhig zu bekommen?

00:16:28: Dass er keinen Unfug anstellt und net irgendwie noch reanimiert werden muss oder irgendwas anderes und dann ins Spital zu kommen?

00:16:36: Das war schon mal so das erste und wo wir dann im Auto saßen.

00:16:40: Und wir wussten, dass er da in den Berührungsmittel eingeschmissen und vielleicht liegt es auch daran, dass sich nicht mehr ganz so gut erinnern kann an diese Autobahnfahrt und an dieses Ankommen.

00:16:52: Es hat ihm auf jeden Fall glaube ich nicht geschadet.

00:16:54: also wir sind auf jeden fall hier einigermaßen ruhig angekommen und es war wirklich lustig!

00:16:59: Wir haben unterwegs... Er hat seine Playliste abgespielt und ich habe ihn auch gefragt zu Christian Wie geht's dir denn?

00:17:06: Weil ich hab mich weder hysterisch noch panisch gefühlt, sondern ich war komplett leer.

00:17:11: Also es war wie in so einem Tunnel und er hat ja genau das gleiche dann auch Gefühl

00:17:15: gehabt.".

00:17:17: Und dann so, wenn wir sozusagen zu meinen Spitzen des Supergaus oder der schönen Moment hier gehen wollen war glaube ich das nächste wirklich einschneidende Erlebnis für mich.

00:17:29: Wir haben ja relativ flang gewartet mit dieser Vorbereitung.

00:17:31: Das waren dann fast vier Stunden bis es zum Abruf kam und ich durfte ihn dann mit dem Krankenbett zur Vorbereitung fahren was wirklich sehr schön war also bis zum Ende.

00:17:43: Und dann ging das aber so hoppla-hop, also ich hab' das Bett geschoben und dann ist er auf einmal durch diese Türe geschoben worden.

00:17:48: Es war klar, ich darf nicht mit!

00:17:51: Wir hatten ja schon in der letzten Folge auch schon mal drüber gesprochen gehabt, dass wir uns viel Gedanken darüber gemacht haben wie verabschiedet man sich versuch', was wie sieht man sich wieder?

00:18:00: Dann geht die Türe zu und ich realisiere... wir haben uns nicht verabscheidet.

00:18:06: Und dann ist in dem Moment wirklich für mich eine Welt zusammengebrochen.

00:18:12: Abgesehen davon, was hätte ich ihm sinnvolles sagen können.

00:18:15: Aber ich habe mich nicht von ihm verabschiedet.

00:18:19: Und Christian hat es vorhin erzählt, dass die Narkoseärztin dann ja berichtet hat darüber, dass er viel über die Familie gesprochen hat.

00:18:27: Das hat die Norkoseärztin mir dann zwei Tage später erzählt und jetzt zurückblickend war das so ein schönes Gefühl zu wissen, obwohl ich mich nicht verabschiedet hab.

00:18:41: Er war gedanklich bei uns und ich glaube er war sich dann schon sicher, dass wir liebevoll an ihn denken.

00:18:47: Wie lange hat denn die Operation gedauert?

00:18:52: Das habe ich erst gar nicht rausgekriegt.

00:18:53: als Angehörige wirst du ja da wirklich im Nebel stehen gelassen.

00:18:57: also ich wusste der elf Uhr ist reingeschoben worden.

00:19:00: Ich hatte die Information das sie wahrscheinlich auf Mittag planen mit der Operation zu starten.

00:19:05: ich hab dann gar nichts gehört und ich habe dann um.

00:19:09: Ich habe mich dann ertreistet, dem bekannten Tobias Reichlin zu schreiben und ihn zu fragen über Tobian.

00:19:19: Aber hast du zufälligerweise was gehört, ist das Herz überhaupt im Haus?

00:19:24: Ist es angekommen?

00:19:25: Konnt man mit der Operation starten.

00:19:27: Stimmt die Qualität davon?

00:19:29: Hast du irgendwas gehört?

00:19:30: Ist das

00:19:30: losgegangen?".

00:19:31: Und er konnte dann im System nachschauen und hat gesagt um drei Uhr zwanzig wäre der Hautschnitt gewesen.

00:19:37: Es wäre mal so ein Zeitblocker drin von acht bis neun Stunden.

00:19:42: Dann war ich schon total erleichtert weil ich dann schon mal so grobes Gefühl davon hatte Es scheint losgegangen zu sein und ja, ist was am Laufen.

00:19:54: Wann kam dann die Nachricht, dass jetzt das neue Herz im anderen Körper zuschlagen begonnen hat?

00:20:02: Also der Chirurg hat mich.

00:20:05: so ungefähr neunzehn Uhr, neunzenunddreißig hat er mich angerufen mit der Nachricht, dass er sozusagen von einer Herzlungenmaschine weg sei.

00:20:13: Dass das Herz eigenständig schlägt also die Operation geglückt sei und dass sie jetzt noch versuchen die Blutungen zu stellen und ihn dann wieder zumachen würden und dann ungefähr um zwanzig Uhr rechnen zusammen mit, dass auf die Intensivstation verlegt werden darf.

00:20:28: genau

00:20:29: es gab dann Ein Problem mit Blutungen, ein bisschen später.

00:20:33: Ja genau also ich durfte dann um... also um zwanzig Uhr war ich dann wieder im Spital.

00:20:37: Sie haben ihn dann eine Stunde lang... man braucht eine Stunde lange um so einen Patienten auf der Intensivstation einzurichten.

00:20:44: Also so viele Geräte und Monitore waren da dran Und ich habe ihn dann um ... noch gesehen dürfen und war dann wirklich auch, also ich habe großen Respekt vor der Situation.

00:20:55: Christian hatte mich gut vorbereitet darauf und hat gemeint das ist natürlich so ein Patient intubier zu sehen nicht unbedingt der schönste Anblick ist und ich hatte mich da so seelisch und moralisch auch irgendwie auf so Reanimationsbilder vorgestellt, die auch sehr unschön waren.

00:21:12: Ich muss sagen für mich war es ehrlich gesagt echt ein schöner Anblick weil er ein bisschen besser aussah wie das was ich mir so ausgemalt habe hier denn aussehen könnte.

00:21:23: Ich mein, klar.

00:21:23: Der war mehr tot als lebendig und irgendwie ist es auch gruselig wenn man dann so ein Beatmungsgerät sieht wie der ganze Körper dann so zittert und wackelt.

00:21:33: aber ich fand er sah nie zu schlimm aus wie das was ich befürchtet habe.

00:21:38: Ich habe ihn dann natürlich schnell wieder in Ruhe gelassen und hab das Personal und die Pflege arbeiten lassen, da wollte ich auf keinen Fall stören.

00:21:46: Und bin dann ins Hotel gegangen.

00:21:49: Hab dann noch ein Kläßchen Rotwein getrunken weil ich mit den Nerven am Ende war.

00:21:53: Dann gesagt so Halleluja!

00:21:55: Alles gut gegangen Jetzt kommt alles gut er ist stabil jetzt geht sozusagen bergauf und ich muss gerade eingeschlafen gewesen sein.

00:22:05: und dann kommt der Anruf Ja vom Chirurgen, der gesagt hat sie wollen mich informieren.

00:22:11: Sie müssen ihn jetzt notfallmäßig auf der Intensivstation.

00:22:15: also sie haben nicht mal mehr die Zeit in den OP zu fahren... ...zu extrahieren.

00:22:20: und Das Lustige ist, ich kann von Christian.

00:22:22: Wenn Christian eine Extraktion macht, weiß ich immer, irgendwelche Gerätes sind rausgekommen.

00:22:26: Wie gesagt, ich bin ja keine Medizinerin und ich bin gerade erst aufgewacht gewesen und dann hab ich ihn so ... Moment!

00:22:32: Was muss ... was soll rauskommen?

00:22:36: Und wenn ich ganz kurz gedacht habe, Gott das Willen, Sie werden doch net das Herz rausnehmen.

00:22:40: Dann hat er mich beruhigen können.

00:22:42: Er hat gesagt es ist seine Blutung und die müsste jetzt notfallmäßig wirklich schnell versorgt werden.

00:22:48: Da habe ich dann schon verstanden, dass das keine so ganz gute Situation gerade ist für ihn.

00:22:55: Wie war denn für dich jetzt kamen die sozusagen Rückkehr in dieser hiesige Welt und nicht aus dem Schlafmodus, den Christian ein paar Tage erlebt hat?

00:23:10: Ich glaube, ich habe ganz gut funktioniert in der ersten Zeit und war immer bei ihm.

00:23:18: Und ich bin auch immer ins Handeln gekommen und dieses Insandeln kommen.

00:23:21: das hat mir sehr, sehr gut getan.

00:23:23: Ich muss sagen, seit es Christian jetzt so gut geht wie es ihm jetzt geht ist eigentlich die Situation für mich eher schwieriger weil dieses Aushalten dass man gar nicht direkt ins Handel ins tun in irgendwas beschaffen ins machen kann sondern einfach nur diese Situation Annehmen muss, das fällt mir deutlich schwerer.

00:23:41: Und da zu akzeptieren, dass es schon reicht einfach nur da zu sein, präsent zu sein und dass es auch vollkommen in Ordnung ist nichts machen zu müssen, fällt mir schwer.

00:23:54: aber ich versuche mich da ein Geduld zu üben.

00:23:57: ja.

00:23:58: Bist du glücklich?

00:23:59: Unglaublich!

00:24:01: Ich habe eine Live-Kostprobe davon bekommen also für mich eigentlich fast mit des Traumatisierende war.

00:24:08: Er hatte ja, er hat schon gesagt so einen verzögerten Aufwachprozess gehabt und sie haben sich große Sorgen gemacht.

00:24:16: Weil er nicht so aufgewacht ist wie er ist, dass er einen schweren Schlaganfall haben könnte.

00:24:21: Und ich habe dann ein paar Extubationsprozesse-Vorgänge mitbeobachtet und das war wirklich ganz, ganz schlimm weil ich eine Kostprobe davon bekommen hab zu sehen wie es sein könnte wenn mein Mann schwerst behindert wäre Und also auch wirklich so, dass er gar nicht reagiert hat.

00:24:42: und dann habe ich mich natürlich auch mit solchen Fragen auseinandergesetzt.

00:24:44: Aber wann wäre denn für ihn überhaupt so ein Leben lebenswert?

00:24:48: Wenn man sich gar nicht mehr äußern kann und gar nicht seinen Willen kundtun kann?

00:24:52: wie lebenswärt ist ein Leben!

00:24:55: Als wir zum Glück nach viel Bangen und nach einem guten CT-Befond dann mitgekriegt haben das kein schwerer Schlaganfall sondern nur ein Delir... Und er dann zum ersten Mal Ja und Nein sagen konnte.

00:25:10: Und klar war, man kann mit ihm kommunizieren.

00:25:14: Er versteht Sprache und er kann ja und nein sagen und kann auf Händedruck reagieren.

00:25:19: Da war für mich schon mal dieser Punkt erreicht wo ich wusste ab jetzt wäre ein einigermaßen lebenswürdiges Leben mit ihm machbar und ich hätte die Chance, selbst wenn ich ihn in diesem Zustand zurückkriegen würde, ihm einigermaßen gerecht zu werden weil ich seinen Willen respektieren könnte.

00:25:36: Und ich glaube, weil diese Kurve da wirklich so tief tief war ist das jetzt ein Geschenk... ihn wiederzukriegen.

00:25:45: Er ist weder er, er macht weder seine schlechten Witze, seine flachen Witze...

00:25:50: Ich mache keine schlechten Witze!

00:25:56: Es ist es wunderschön und ich glaube das zeigt dann auch wirklich da ist an des Herz die ganze Zeit richtig ins Hintertreffen geraten weil wir uns nur nach Gedanken gemacht haben um den Kopf und deswegen ist für mich das allerschönste ihn wieder als ihn zu sehen.

00:26:13: Ich denke, wir haben jetzt so einen Eindruck was das für eine Achterbahnfahrt ist bei einer so komplexen Situation wo es um Leben und Tod geht.

00:26:24: Ich freue mich dann jetzt im Anschluss mit Professor Matthias Jepe noch diskutieren zu können.

00:26:32: er ist der Chirurg der die ganze Operation geleitet und gemacht hat und ich denke mir von ihm können wir auch noch einige Informationen erhalten.

00:26:44: Da waren nämlich keiner dabei.

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