Das Warten

Shownotes

Mit nur 37 Jahren erfährt der Familienvater und Arzt Christian Grebmer, dass nur ein Spenderherz sein Leben retten kann. Seit Mai steht er auf der Transplantationsliste. Gemeinsam mit Kurt Aeschbacher spricht er in der ersten Folge von "Herzensgeschichte" über die Zeit des Wartens – über Angst, Hoffnung und den Blick auf das eigene Leben zwischen Arztberuf und Patientendasein.

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00:00:06: Warten, warten auf ein neues Herz.

00:00:10: Und das geht es in unsere Gesprächsrunde Herzensgeschichte.

00:00:15: Im Mittelpunkt steht Christian, siebenunddreißig, Kardiologe, ein engagierter Herzspezialist, der schon viele Menschen mit den richtigen Implantaten zu einem beschwerdefreien Dasein verholfen hat.

00:00:30: Er, der Herzspezialist, Vater von zwei kleinen Töchtern, braucht ... um zu überleben dringend ein Spenderherz.

00:00:39: Wie geht er und seine Frau Karmen mit dieser Situation um?

00:00:43: Was gibt Hoffnung?

00:00:44: Was macht Angst?

00:00:46: Fragen rund um ein Leben auf das Messerschneide.

00:00:51: Ich bin Kurt Eschbacher, Journalist, ein Mensch, der voller Neugier am Schicksal andere Personen teilnimmt.

00:00:59: Christian, wie schwierig ist es für dich, als Kardiologe deine persönliche Geschichte zu offenbaren?

00:01:07: Eigentlich gar nicht so schwierig, wenn du mich jetzt so direkt fragst.

00:01:11: Ich finde, einerseits ist natürlich meine Position ganz eine spezielle.

00:01:15: Und diese spezielle Position beinhaltet die einerseits den des Kardiologen, der weiß, um was es geht, der weiß, um die Konsequenzen des Handelns und dergleichen.

00:01:27: Und auf der anderen Seite ist man durch Patient.

00:01:29: Und das ist relativ ein schmaler Grad, den man da beschreitet, weil es einfach wirklich schwierig ist, als Patient und Kardäloge mit dem Wissen, dass man hat, da durchzugehen.

00:01:40: Aber mein Vorteil ist natürlich auch zu wissen, was passiert, was kann passieren, wie man es macht, wie läuft das ab, wie kann es laufen, wenn es gut geht, wie kann es laufen, wenn es weniger gut geht.

00:01:54: Das bringt fast eine gewisse Sicherheit ehrlicherweise.

00:01:59: Im Umkehrschluss kann man natürlich auch mit seinen Patienten ganz anders sprechen.

00:02:03: Also brauchen wir jetzt nur das Beispiel nehmen, weil du vorher angesprochen hast mit Implantaten.

00:02:07: Ich implantiere solchen den Patienten, die ähnliches Schicksale haben, wie ich jetzt im Vorfeld durchgemacht habe.

00:02:15: Implantiere ich diese Geräte.

00:02:18: Ich glaube, ich kann da entsprechend gut aufklären.

00:02:20: Dann kann ich sagen, wenn das Gerät mal arbeiten muss, dann tut das weh oder dann funktioniert das alles richtig und dergleichen.

00:02:27: Also man kann viele Dinge viel besser nachvollziehen, weil man es am eigenen Leib erlebt.

00:02:34: Wir haben Kollegen, die sagen, ein Beta-Block, also ein Medikament, das den Puls verlangsamt, macht das Leben erschwert das Ganze.

00:02:43: Ich, wenn du das selber als Patient betrachte, muss ich sagen, mit dem kann man gut zurechtkommen.

00:02:47: Es ist immer fast häufig einfach eine Kopfsache auch.

00:02:51: Dementsprechend kann ich natürlich auch sagen, was ich meine Patienten zutragen kann und was nicht.

00:02:56: Und wenn es nicht funktioniert, dann kann man eine gute Lösung finden.

00:02:59: Informierst du dann deine Patienten auch über deine persönliche Situation?

00:03:03: Manche

00:03:03: schon, manche nicht.

00:03:04: Ich habe ein, zwei Patienten, mit denen ich, oder ein, zwei, ein paar mehrere Patienten, die relativ eng bin.

00:03:11: Und denen erzählt man das natürlich schon.

00:03:13: Und mit manchen kennt man ja auch die Schicksale und leidet dann ja genauso mit.

00:03:17: Das ist ja nicht so, dass das an einem vorüber geht oder vorbeigeht.

00:03:21: Und mit manchen leidet man dann entsprechend mit.

00:03:24: Und da gibt man dann mehr Preis.

00:03:26: Also ich habe sicher vorwiegend jüngere Patienten, die ähnliche Vorgeschichten haben wie ich.

00:03:32: Es hat bewusst ähnlich, weil eins zu eins gibt es ja sowieso nie.

00:03:35: denen Sorge darfst du dann schon und sagt dann, hey, mit dem Gerät kann man gut leben, du kommst den Alltag bewältigen.

00:03:43: Es ist nicht so schlimm wie es tönt im ersten Moment.

00:03:45: Und das ist natürlich schon ein gewisser Vorteil und schafft natürlich eine ganz andere Basis mit den Patienten.

00:03:51: Christian braucht ein neues Herzkarmen.

00:03:54: Ihr habt euch entschieden darüber auch öffentlich zu reden.

00:03:58: Wie schwierig, du bist Psychologin und richtest auch an eine Hochschule.

00:04:03: Wie schwierig war das für dich jetzt, diesen Entscheid zu treffen?

00:04:09: Ja, dass private Leben in die Öffentlichkeit tragen.

00:04:12: Christian, ich wissen eigentlich beide nicht Menschen, die uns gerne in der Öffentlichkeit präsentieren.

00:04:19: Wir genießen unser Privatleben sehr.

00:04:23: Aber es war relativ schnell klar ... dass dieses Schicksal das, was wir durchmachen, dass darin so grauenhaft es klingt.

00:04:31: Und wenn wir da auch später vielleicht noch ein bisschen tiefer einsteigen, was denn so alles passiert ist, das mag auf den ersten Blick wirklich furchtbar klingen.

00:04:39: Und es ist auch wirklich schlimm, dass jemand jung ist oder auch jemand alt ist, so was durchmachen muss.

00:04:45: Aber in der ganzen Tragik steckt so viel Positives, also den sekundären Krankheitsgewinn, den wir haben.

00:04:54: unser Leben.

00:04:55: Das hat sich so verändert, seit wir die Diagnose bekommen haben und dadurch, dass man auch ständig daran erinnert wird, dass wir mit so einer Krankheit leben müssen.

00:05:06: Wir haben so viel gewonnen als Menschen, als Paar, aber auch als Familie.

00:05:10: Also die Art und Weise, wie wir auf das Leben schauen, was uns Mut macht, auch dass wir manche Dinge viel bewusster leben, uns weniger ärgern wegen kleinen Dingen und uns auch mit einem Mut machen, wenn Dinge mal nicht so gut laufen, dass man sich mit einem Streit, mit Kollegen vielleicht nicht so ärgert und sich auch anfangen darf zu überlegen, mit was man die wenige verbleibende Zeit benutzen kann.

00:05:40: Wenn ich das gerade angetöne, ich habe viele Studenten und was mich manchmal... was traurig macht ist, wenn ich in die Gesichter meiner Studenten schaue und ich das Gefühl habe, dass bei denen manchmal so dieses Leben fast passiv dran vorbeizieht, dass ich manchmal so denke, Mensch, wo ist der Puff?

00:05:58: Was begeistert euch?

00:06:00: Was treibt euch an?

00:06:01: Und wenn man dann natürlich weiß, Dass man einen totkranken Mann zu Hause hat, wo auch die Zeit begrenzt ist.

00:06:08: Da kommt einem dann so was Passives, das Erleben in den Tag hineinleben, so was an sich vorbeiziehen lassen.

00:06:14: Das kommt einem dann so tragisch vor, weil man so denkt, nutzt die Zeit, die er hat.

00:06:20: Was macht euch Freude?

00:06:22: verbringt die Zeit mit euren Liebsten, ärgert euch nicht wegen Dingen, die es nicht wert sind oder vergeutet nicht wichtige Stunden, nichtige Tage damit.

00:06:31: Und auch dieses Hineinsteigern in gewissen Dingen.

00:06:33: Wie gesagt, ich bin ja im Hochschulkontext und da ist ja alles auf Leistung ausgerichtet.

00:06:38: So funktioniert ja das Hochschulsystem, das mal Leistung bringen muss.

00:06:41: Aber auch so die eigenen Grenzen zu kennen und zu wissen, wie wichtig ist dieses eine Assignment, was ich mache in diesem großen ganzen Kontext.

00:06:52: müssen es als hundertdreißig Prozent sein, reichen vielleicht neunzig Prozent.

00:06:56: Und ich glaube, diese feine Balance, wo wir so tagtäglich gezwungen sind und auch ständig daran erinnert werden, wie ist es das wert, sich darüber aufzuregen?

00:07:05: Ist es das wert, damit seine Zeit zu verbringen, ob positiv oder negativ?

00:07:09: Und auch sind auch wirklich dankbar darüber, dass wir uns darüber so viel Gedanken machen müssen.

00:07:13: Und ich glaube, das ist so meine größte Motivation gewesen, das öffentlich zu machen.

00:07:19: Was, Christian, möchtest du jetzt selber erreichen, wenn man über eine Transplantation des wichtigsten Organs, kann man wirklich so sagen, diskutiert?

00:07:32: Meinst du jetzt für mich selbst erreichen oder

00:07:35: für... Für dich aber auch für die Öffentlichkeit.

00:07:37: Also für die Öffentlichkeit ist es eigentlich ganz klar, weil ich glaube, es ist jetzt nicht so häufig, dass man als Fachbereich, Kenner, sowohl Patient als auch... Das ist glaube ich etwas, das viele sicherlich interessieren, da in gewisser Hinsicht weiterbringt in dem Sinn, weil die Fragen sind ja meistens die gleichen, wie geht es weiter, wie geht das alles aus, auf was schaut man, auf was bedenkt man und dergleichen.

00:08:04: Also glaube ich, das ist das eine und das andere ist natürlich, das was meine Frau ja schon gesagt hat, ich glaube einfach so die Awareness zu schaffen, einerseits für das Thema Organspende.

00:08:16: und organen Annahme, das ist das eine natürlich, aber da wird ja zum Glück genug Werbung gemacht oder genug Information weitergeben.

00:08:25: Und das andere ist natürlich auch, sich vor Augen zu halten oder auch den unseren Hören so ein bisschen vor Augen oder vor Ohren zu halten.

00:08:33: Wie geht man mit so etwas um?

00:08:34: Wie bestreitet man den Alltag?

00:08:36: Beziehungsweise auch, was ist das Wichtige im Leben?

00:08:39: Das ist nicht wichtig, also dass man sich auch selbst noch mal reflektiert.

00:08:43: Und fragt, ist es das, so wie es kam mir noch gesagt hat, ist es das denn wirklich notwendig, ist es das den Wert, sich darüber zu ärgern oder auch nicht.

00:08:51: Aber im Umkehrschluss auch, das für das einzustehen, was man gerne macht.

00:08:56: Ich sage jetzt als Beispiel, man könnte genauso schon seit, oder ich könnte jetzt genauso schon arbeitslos und zu Hause auf der Couch liegen, wenn ich wollen würde.

00:09:05: Aber ich bin genauso noch hundertprozentig berufstätig, aber ... Prima auch aus dem Grund, weil ich es einfach wahnsinnig gerne mache.

00:09:13: Also immer die Arbeit in dem Kontext zu sehen, Arbeit ist Aufwand, Arbeit ist Stress und dergleich.

00:09:20: Das tut im Gegenteil, das tut gut und das lenkt auch so ein bisschen ab vom Alltag.

00:09:25: Und das möchte ich auch mitgeben, also auch die positiven Sachen von dem Ganzen rauszufiltern und das auch unseren Hörern dann auch mitzugeben.

00:09:36: Ich würde gerne ein bisschen zurückschauen in dein Dasein.

00:09:42: Christian, was hat dich motiviert,

00:09:46: Arzt

00:09:47: zu werden?

00:09:47: War das schon in jungen Jahren irgendwie klar, dass dein Herz nicht tickt wie alle anderen?

00:09:56: Gut, ich glaube, da müssen wir jetzt weit ausholen.

00:09:59: Aber wir haben ja Zeit.

00:10:02: Es ist so gewesen.

00:10:03: Ich habe mit zwölf Jahren ein Krebs gehabt.

00:10:06: Ich bin mit zwölf Jahren noch da was dreizehn.

00:10:07: Ich habe sich mittlerweile schon so lange her, dass ich es nicht mehr genau sagen kann.

00:10:11: Und woraufhin ich dann auch eine halbjährige Behandlung hinter mir gehabt habe und da ... Mit

00:10:16: Krebs?

00:10:16: In welche Art?

00:10:17: Ein seltener Tumor auf der Leber, der zum Glück damals nicht metastasiert hat und da entsprechend so groß war.

00:10:24: Aber die Behandlungschancen sind damals gut gestanden, so mit zwölf, dreizehn Jahren.

00:10:30: Und dann bin ich ein halbes Jahr mehr oder weniger in der Therapie gewesen, mit Operation und so weiter.

00:10:35: Und das ist dann alles zum Glück alles gut gekommen.

00:10:38: Aber es hat natürlich schon in dieser Zeit angefangen, sich da mit gewissen Themen auseinanderzusetzen.

00:10:45: Also mit dem Thema, hey, bist du jetzt jung, wie geht es weiter?

00:10:48: Sie ist aber zu dem Zeitpunkt schon nie die Frage gewesen, geht es denn nicht weiter oder gibt es denn irgendwelche Zweifel oder gleich so?

00:10:56: Es gab nur, das geht schon, das kommt schon.

00:10:59: Und das kriegen wir schon irgendwie hin, so in die Richtung.

00:11:03: Und in dieser Zeit bin ich eigentlich sehr interessiert gewesen, weil ich ja doch viel im Spital gewesen bin.

00:11:09: Ich hatte ein großes Interesse in einer Medizin, bin dann nachts wach gewesen, hab mit den Ärztinnen und Ärzten damals mit unterhalten und haben über mein Krankengeschicht und so ein bisschen ... Du bist ja in der Zeit, bist du ja schon recht früh, obwohl du nicht Experte bist, bist du ja schon recht früh mit dem Thema ... sehr tief drin, vor allem wenn du dich interessierst.

00:11:30: Und da ist eigentlich der Wunsch schon entstanden, Mediziner zu werden.

00:11:35: Damals war noch der Wunsch in die Pediatrie beziehungsweise Kinderheilkunde mit dem Schwerpunkt der Onkologie, also sprich der Krebserkrankungen gewesen.

00:11:43: Das hat sich im Verlauf ein bisschen ausgedehnt, weil es doch ein recht hartes Fach ist, auch als Behandelter.

00:11:52: Ich finde, das ist gerade bei Kindern ist es schon nochmal sehr speziell.

00:11:55: Aber... die Leute, die ich damals kennengelernt hab und es ist erstaunlich, wie stark Kinder und wie willensstark Kinder sein, wie sehr Kinder kämpfen können, ohne dass es dann problematisch... Also, die Kinder sind wirklich... Die nehmen das viel besser mit.

00:12:11: Dass alle einen Schaden mitnehmen später im Kopf, das ist klar, dass du das kannst nicht lockerlassen.

00:12:16: Dieses Thema lässt dann ja nie mehr aus.

00:12:18: Aber die Kinder haben wirklich wahnsinnig viel aus und machen auch vieles durch.

00:12:24: Das Problem sind eher die Eltern.

00:12:26: Klar, klar, klar.

00:12:26: Es ist, glaube ich, wie überall, all in der Schule und gleich.

00:12:30: Und im Rahmen dessen habe ich mich dann fürs Medizinstudium angmeldet, habe es dann beim ersten Anlauf, ich bin Österreich studiert und da ist gerade zu dieser Zeit der Aufnahmstest das erste Mal gewesen.

00:12:41: und dann habe ich den Aufnahmstest und gedacht, brauchst du nicht lernen, das schaffst du locker so, weil du kommst dir frisch von da mal durch, das ist kein Problem für dich, sowieso nicht.

00:12:50: Und dann habe ich mich natürlich nicht drumgekommen und in der Zeit einfach... ein Jahr, wo wir dann mal Kulabilogie studiert haben, habe mich wirklich intensiv vorbereitet und dann zwei, sieben haben mit der Zin angefangen.

00:13:01: Und dann während dem Studium ist es dann so ein bisschen losgegangen, dass ich beim Sport einmal so ein bisschen stolpern gehabt habe und dann einmal beim Sport überhaupt onmächtig geworden bin und dann eigentlich vertuern bin.

00:13:13: Und das ist nicht wirklich was gefunden worden, was relevant gewesen wäre.

00:13:17: Aber es war trotzdem so, dass es jetzt ganz klar war, dass es nichts Ungefährliches ist.

00:13:23: Dann hab ich mir gedacht, die Kardilogie ist ein spannendes Fach.

00:13:27: Also eigentlich

00:13:28: motiviert durch die eigenen Herzunsicherheiten.

00:13:32: Ja, eigentlich schon.

00:13:33: Auch diese Erkrankung hat mich ein bisschen mit dem Fach auseinandersetzen lassen.

00:13:37: Dann hab ich mir gedacht, mein Herz ist nur ein Holorgan und das ist nicht relevant, aber das ist noch wirklich ein spannendes Fach.

00:13:44: Und ein spannendes Organ, vor allem auch.

00:13:46: Es wirkt so leicht, so kleines Fach, aber es ist eigentlich riesengroß und die Facetten sind wahnsinnig.

00:13:53: Und ich wollte halt immer wissen, wenn was ist, Karja, sei es was auch immer, ich möchte wissen, wo ich hingehen kann.

00:14:03: Eine gute Vorsorge eigentlich für den eigenen, in dem Sinne, Verlauf der Krankheit.

00:14:10: Ich wollte einfach immer wissen, ich möchte wissen, gerade wenn ich schon mit dem Herzproblematik hab oder sich am entwickeln ist, möchte ich wissen, wenn was ... sich aggravieren, wenn was schlechter werden sollte, wo geht man hin, wo kann man hingehen und wen kann man sich wenden, welche Literatur muss man screenen, was muss man anschauen.

00:14:30: Und so ist es dann in die Kardiologie eigentlich gegangen.

00:14:32: Das war jetzt die Kurzfassung.

00:14:33: Es gab dann schon noch weitere Ausflüge bzw.

00:14:37: weitere Ausführungen, aber es ist jetzt für die Kurzfassung.

00:14:40: Und war das dann eigentlich auch so wie eine Sicherheit, dass du dir selber in dem Sinne besser helfen kannst?

00:14:49: Nein,

00:14:50: ich bin selber kein guter Patient.

00:14:52: Also ich selber, ich muss das immer abgeben.

00:14:54: Also ganz am Anfang, bevor ich meine Frau noch kennengelernt habe und in dieser Zeit, wo so die erste Diagnose kommen ist und wo der Defi dann implantiert worden ist, war es für mich klar, ja, es ist ja eh nix.

00:15:06: Der Defi ist jetzt drin, der macht nix, der muss auch nie arbeiten.

00:15:09: Den tun wir noch zehn Jahre wieder raus, wenn die Patrie leer ist, also so negiert.

00:15:13: Und bei dieser Erkrankung soll man nicht wahnsinnig viel Ausdauersport machen.

00:15:18: Habe ich damals zu dem Zeitpunkt noch viel Sport gemacht, viel Ausdauersport.

00:15:22: Also alles, was man eigentlich nicht machen sollte, das ist ganz klar.

00:15:27: Da kann man aber auch Patienten verstehen.

00:15:28: Der Herr Doktor

00:15:30: hat nicht auf sich gehört.

00:15:31: Nein, na, so ist es.

00:15:33: Aber als Arzt wundert man sich ja natürlich oft, hey, während der Patient hat jetzt diese Erkrankung und da darf man das und das nicht machen.

00:15:40: Und spinnt denn der?

00:15:41: Du wirst wirklich fast ausfällig, weil du als Arzt gibst oder als Behandelner.

00:15:45: gibt es dir dein Bestes und versuchst die Patienten auch entsprechend zu schützen, im Wartezupack.

00:15:51: Wenn ihr das nicht macht, wie du es gerne hättest, dann ärgert sie natürlich.

00:15:55: Aber du kannst es mittlerweile nachvollziehen.

00:16:00: Dein Herz ist gestolpert jeweils.

00:16:04: Wie muss ich mir das vorstellen?

00:16:05: Es hat dann nicht mehr regelmäßig geschlagen oder hat es total ausgesetzt?

00:16:09: Ja,

00:16:09: total ausgesetzt.

00:16:11: Ich sage immer, man kann sich so vorstellen, wie es heißt, dass ein plötzlicher Herz tot ist.

00:16:16: Und ein plötzlicher Herz tot ist wirklich, wenn das Herz vom normalen Herzschlag, vom normalen Herzrhythmus plötzlich in eine Rhythmusstörung geht, wo es zwar regelmäßig schlägt, aber wo das Blut nicht so ausgeworfen wird.

00:16:31: Und das führt natürlich dann entsprechend zu wenig Blutdruck und wenig Blut im Kopf sozusagen.

00:16:37: Und das führt dann zur Runmacht.

00:16:38: Das beste Beispiel ist im Endeffekt der dänische Fußballer, der damals am Fußballplatz weggekippt ist und plötzlich weg gewesen ist.

00:16:45: Das ist auch so in diese Richtung gehen.

00:16:48: Das war nicht das Gleiche, aber so kann man sich's vorstellen.

00:16:51: Karmen, aus dem du Christian kennengelernt hast, war das irgendwann schon am Anfang eurer Beziehung ein Thema?

00:17:00: Na ja, die Narben ... von Christian Steffi, aber auch von der OP, die hat man natürlich gesehen und klar interessiert man sich dann dafür.

00:17:10: Ja, was denn da passiert ist?

00:17:11: Und wir hatten auch über das Thema Defi damals gesprochen, aber halt nur so beiläufig, so wie es Christian schon gesagt hat.

00:17:17: Also, ja, ich hab zwar einen Defi, aber ja.

00:17:20: Und wir hatten dann auch über solche Themen gesprochen, so, ach, vielleicht sollten wir den rausholen, da könnte man eine Lebensversicherung abschließen in Deutschland.

00:17:31: Also, ich hab Scherze gemacht.

00:17:32: Wenn

00:17:35: du

00:17:35: so was drin hast, schuldigung, wenn du so was drin hast und die Vorgeschichte hast, der Berufsunfähigkeitsversicherung mehr abschließen, noch eine private Krankenversicherung oder dergleichen, weil du ja nicht mehr genommen wirst.

00:17:46: Du bist ja

00:17:47: im Falle so zu sagen.

00:17:49: Ja, im Falle sowieso.

00:17:52: Und wir haben dann, also ich habe ihn so kennengelernt, dass er gesagt hat, na ja, er hat den DIVI halt drin, aber brauchen tun wir den nicht?

00:18:01: Ja, vielleicht lassen wir den mal rausmachen damit,

00:18:04: ja.

00:18:07: Bis wir dann mal chocken gegangen sind zusammen und dann hat sich dann, und ich war überhaupt nicht vorvorbereitet, also wir waren zusammen chocken, ich hatte so dieses Wissen, wir brauchen den D, wie nicht.

00:18:22: Also, ihr seid schon verheiratet gewesen?

00:18:24: Nein,

00:18:24: das auch.

00:18:25: Da muss man wirklich...

00:18:27: Die erste große Verliebtheit, ja.

00:18:31: Ja, doch, da war man doch recht verliebt.

00:18:32: Das war relativ am Anfang.

00:18:33: Du war man doch echt verliebt.

00:18:35: Entschuldigung, bitte.

00:18:36: Es war frisch.

00:18:39: Es war

00:18:39: relativ frisch, genau so im ersten halben Jahr.

00:18:41: Und dann sind wir mal zum Chockengegang im Münchner Olympia Park und so zwischen strengen Studien und Forscher.

00:18:51: Und dann hab ich gesagt, jetzt müssen wir den Kopf frei kriegen.

00:18:53: Und ich hab da ja voll Gas gegeben am Olympia-Bagg und Christian auch.

00:18:58: Und er sagt dann zu mir, ah, mir geht's grad nicht gut.

00:19:01: Oder, ah, mir ist grad nicht so wohl.

00:19:03: Und wie gesagt, dieses Thema Rhythmusstörungen und Defi war mir nicht klar.

00:19:08: Also so, ich dachte, ja, ja, dann schnauf halt mal ein bisschen.

00:19:11: Ähm, ja, und er sagt, er setzt sich kurz hin oder legt sich kurz hin.

00:19:16: Dann gesagt, ja, ja, mach das mal.

00:19:20: Und ich bin natürlich neben ihm geblieben, da dachte ich, lass ihn jetzt mal in Ruhe schnaufen.

00:19:25: Und er hat die Augen offen gehabt und er hatte auf einmal so ganz komische Schnäuchelgeräusche, so als würde er schnarchen.

00:19:33: Und das war relativ gruselächer zurückblicken gesehen, weil was ich da zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht verstanden hatte oder realisiert hatte, war, dass er zu dem Zeitpunkt eine schwere Rhythmostörung hatte und ich ihn hätte reanimieren müssen.

00:19:48: genau in dem Fall.

00:19:50: Und ich habe das nicht verstanden, weil für mich war es so, wenn ich jemand reanimieren muss, hätte ich irgendwie gedacht, so, dann würde man da gar nichts mehr merken.

00:19:57: Also dann würde weder ein komisches Schnorchie-Geräusch kommen, noch sind die Augen offen.

00:20:01: Ich habe ihn dann schon angesprochen, weil ich sagte, du, alles in Ordnung.

00:20:05: Und habe ihn nicht darauf reagiert.

00:20:06: Und dann habe ich ihn natürlich schon so ein bisschen angestuft und so.

00:20:10: Und als ich ihn das angestuft habe, bin ich erschrocken, weil dann hat der Defi geschockt.

00:20:14: Ich habe das damals als Laie, wie gesagt, nicht verstanden.

00:20:17: Ich habe eben nur gemerkt, irgendwas ist nicht in Ordnung, weil er mit dem Brustkorb schon deutlich vom Boden abgehoben ist und nach oben.

00:20:24: Und ich hatte richtig, richtig Glück in der Situation.

00:20:28: Und ich bin wahnsinnig dankbar dafür, dass eine höhere Macht mich da geschützt hat in der Situation.

00:20:36: Christian ist dann wieder von alleine zu Bewusstsein gekommen.

00:20:39: Das hätte so nicht sein müssen.

00:20:41: und wollte dann nach Hause laufen auch noch und ist nach Hause gelaufen.

00:20:45: In dem Moment habe ich ja überhaupt nicht ... richtig verstanden, was da überhaupt passiert war.

00:20:50: Rückblickend hätte ich ihn zu dem Zeitpunkt, als ich hätte ihn reanimieren müssen.

00:20:53: Ich hatte Glück, dass sein Gehirn genügend Zauerstoff bekommen hat, weil, stell dir mal vor.

00:20:59: Ja, es war kurz.

00:21:00: Es war kurz, aber wenn das Ding länger gewesen wäre, stell dir mal vor kurz.

00:21:05: Die Liebe meines Lebens liegt da auf dem Boden.

00:21:07: Ich check nicht, dass ich hätte helfen müssen.

00:21:11: Und wenn er einen Gehirnschaden gehabt hätte, es wäre meine Schuld gewesen.

00:21:17: Nein, natürlich nicht.

00:21:18: Aber für dich

00:21:19: ... Ich hätte damit leben müssen.

00:21:21: Stell dir mal vor, ich hätte der Liebe meines Lebens nicht geholfen.

00:21:25: Ich hatte furchtbares Glück, dass wir den Defi hatten.

00:21:29: Und ich hatte furchtbares Glück, dass Christian nach diesem Einschock wieder zu Bewusstsein gekommen ist.

00:21:34: Und ab da rüsten wir ... Wir sind dankbar, dass wir dieses Gerät haben.

00:21:40: Und es ist nicht, dass wir ihn nicht brauchen.

00:21:45: Hat das die Beziehung dann auch belastet für dich jetzt?

00:21:51: Also,

00:21:52: ja.

00:21:53: Ich meine es auch so, lebt dann plötzlich eine ständige Angst mit einem?

00:21:58: Ja, also ... Das ist schon auch ein Trauma.

00:22:02: Also wie gesagt, auch so diese Selbstvorwürfe nicht adäquate gehandelt zu haben, das nicht erkannt zu haben, damit muss man auf jeden Fall leben.

00:22:10: Und wie gesagt, es kam ja so aus dem Nichts heraus.

00:22:12: Und das, glaube ich, ist so das gruseligste an der Krankheit, dass es vollkommen normal war.

00:22:20: Und dann zack, es ist da.

00:22:22: Man hat keine Vorwarnung davor.

00:22:25: Und dann weißt du nur, wenn das passiert, dann musst du in Topform sein.

00:22:28: Dann muss alles funktionieren.

00:22:31: Du möchtest jemanden, den du liebst.

00:22:33: bestmöglich helfen können.

00:22:35: Und auch diese Hoffnung, also ich will nicht sagen, dass man dann fast vielleicht klammert, um den anderen aber zu wissen, hey, wenn er alleine ist.

00:22:44: Und die anderen nicht wissen, was da abgeht.

00:22:46: Ich glaube,

00:22:47: damals zu dem Zeitpunkt, wo es uns beiden, ja, jetzt ist jetzt einmal passiert und das kommt jetzt so schnell nicht wieder und dann passiert es noch einmal im Verlauf der Jahre und noch einmal und so weiter.

00:22:58: Je häufiger, was dann passiert ist, desto eher kriegst du Angst.

00:23:02: Kriegst du es mit der Angst zu tun?

00:23:03: Angst zu tun, im Endeffekt.

00:23:04: Damals war ich noch keine große Angst gehabt, aber erstens hab ich nichts mitgekriegt von diesen Schocks.

00:23:09: Die sauer-schmerzhaft sind, entschuldigt die Wortwahl.

00:23:12: Aber die tun wirklich, wirklich weh.

00:23:15: Also das

00:23:15: tut dann am ganzen Krater

00:23:17: weh?

00:23:17: Das tut richtig weh.

00:23:20: Also einer von meinen Patienten, das war damals in Bayern, also in München noch, Der ist von der ländlichen bayerischen Region gewesen und war Bauer.

00:23:29: Und der hat sogar der relativ robust und hart im Nehmen.

00:23:33: Und der hat sogar gesagt, es hat sich angefühlt, wie wenn er vom Pferd getreten wird.

00:23:38: Und das kann ich bestätigen.

00:23:39: Das tut wirklich, also es ist wirklich nicht schön.

00:23:43: Aber dann, wenn es das erste Mal wirklich bei Bewusstsein mitkriegst und dann beginnt es auch so zu überlegen und dann kriegst du selber auch... Es vergeht dann kein Tag mehr, wo du nicht dran denkst.

00:23:54: Das könnte

00:23:54: passieren.

00:23:55: Genau,

00:23:55: es vergeht einfach kein Tag mehr.

00:23:57: Und so wie jetzt in der Situation, wie es jetzt ist, man enght sich im Alltag schon ein.

00:24:02: Also wenn ich jetzt irgendwo höre Belastungen, allein jetzt, wenn wir da zu dir kommen sind, die Treppen hoch, ich trau mich nicht, schnell das Ganze zu machen.

00:24:11: Ich glaube, es wird nichts passieren.

00:24:13: Aber ich brauche es mir nicht zu, wie ein normaler, siebenundreißigjähriger hochzuspringen, sozusagen.

00:24:19: merkst du dann, dass sich etwas verändert?

00:24:23: Ja, Angst.

00:24:24: Du kriegst Angst.

00:24:26: Also du hast heulen Respekt vor jedem Hügel.

00:24:29: Also vor jeder Steigung, weil du weißt nicht, wie schnell kann ich dir jetzt gehen, wie schnell soll ich sie gehen.

00:24:35: Also du bist immer total im Ungewissen.

00:24:38: Und sobald du ... Ich bin halt auch noch mal hypersensibel.

00:24:42: Ich merk auf jeden Extraschlag, den ich hab, der jetzt keinen pathologischen ... Wert haben muss, vor allem einzelne Schläge jetzt nicht.

00:24:50: Also

00:24:50: du zählst deine Herzschläge unbewusst?

00:24:54: Die normalen Herzschläge merkst du nicht.

00:24:56: Also wenn das Herz normal schlägt, aber ich merke hier einen Zusatzschlag.

00:25:00: Wir Menschen haben alle, jeder von uns hat Zusatzschläge, so extra Schläge, die in einer gewissen Anzahl bei jedem auftreten, aber bei manchen dann mehr und auch manchmal eine Zeit von einer Herzproblematik sein können.

00:25:13: Und ich merke halt, jede einzelne von diesen Extrashlägen.

00:25:18: Und ich kann da ungefähr schon abschätzen.

00:25:20: Also damals, beim letzten Ereignis, habe ich so gemerkt, bevor das losging, habe ich gemerkt, ich habe vermehrt von diesen Extrashlägen, vermehrt Rhythmus, also so leichte Rhythmusstereien, das habe ich selber bemerkt, aber keine Notizgeschenke dem Ganzen.

00:25:35: Aber wenn ich jetzt zum Beispiel jetzt in dem Status, wie es jetzt ist, wenn ich mich belastet und ich merke, extra ist es toll, ich kriege fast eine Panikabacke.

00:25:43: Also wirklich, du kriegst Angst, weil du warst im Kopf, jetzt geht's wieder los.

00:25:47: Das eine beginnt wieder mit der Rhythmusstörung.

00:25:50: Dann das nächste ist, wie lange auch der Defi bis er hochgeladen ist, also bis er erzählt.

00:25:55: Ich weiß ja im Hinterkopf wiederum, wie funktionieren diese ganzen Algorithmen.

00:25:59: Wann setzt der ein, wie oft und wie so.

00:26:02: Also ich habe wieder die Zweiste, ob ich wieder Patient und Kadeloge zugleich, weil ich kann sagen, ich verstehe das Gerät, wie das arbeitet und wanns arbeitet.

00:26:10: Ich weiß, wie sich's anfühlt.

00:26:12: Du wirst automatisch, wenn du mit jemandem streitst, die wird dann richtig warm in dem Moment, weil du einfach Angst kriegst.

00:26:20: Ich habe vorher nie gewusst, was ein Panikstörung ist.

00:26:22: Ich habe immer mit den Leuten fast schon belächelt, die gesagt haben, ich kann mich als schlechtem Panik und so weiter.

00:26:26: Ich kann das mittlerweile nachvollziehen.

00:26:28: Ich weiß wie, wenn man sich belastet und extra stark kommt, du kriegst dann die Angst.

00:26:33: Das ist furchtbar.

00:26:34: Ist das Angst, blöd gesagt, vor dem Schmerz oder vor dem Tod?

00:26:40: Von Tod hab ich noch gar keine Ängste.

00:26:43: Tod denke ich gar nicht.

00:26:44: Der ist eigentlich recht ausgeklaumert bei mir zumindest.

00:26:47: Das muss ich noch sagen.

00:26:49: Aber es ist eher vom Prozedere.

00:26:52: Also, als Beispiel.

00:26:54: Ich gehe nach Hause vom Kinderspielplatz, vielleicht mit Kind oder ohne Kind, was auch immer, geht zu Hause und dann merke ich während dem nach Hause weg, dass er Rhythmusstören auftritt.

00:27:06: Ich merke, dass ich toleriere die, vom Kreislauf her toleriere ich dich, aber dann gehst du im Hinterkopf.

00:27:11: Wie lange braucht es noch, bis der Defi losgeht?

00:27:14: B, sind alle versorgt.

00:27:16: C, weil es kamen Bescheid, also wissen rundherum alle Bescheid, die Notruf absetzen.

00:27:24: E, hoffentlich weiß der Notarzt, hoffentlich kann der was, also hoffentlich weiß der... Du musst dir vorstellen, es gibt den Notärztel, dass die Unfallchirurgen sind.

00:27:34: Wie oft sieht der Unfallchirurg, sieht sowas.

00:27:37: Mit Anästhesisten ist das noch was anderes.

00:27:39: Die sehen das vielleicht häufiger.

00:27:40: Aber Unfallchirurg, der super ist in seinem Fach.

00:27:44: Aber bei Autounfällen, wo ich nichts machen kann.

00:27:46: Ich bin kardäologisch.

00:27:47: Mit gebrochenen Knochen.

00:27:49: Wie wertschwindig, wenn er einen offenen Bruch sehen wird, zum Beispiel.

00:27:53: Das sind diese Dinge, die du als Laie nicht weißt.

00:27:57: Die du aber als Mediziner selber genauso weißt.

00:28:01: Du fühlst dich verantwortlich.

00:28:02: Du fühlst dich in dem Moment verantwortlich für alles, was rundherum passiert.

00:28:07: Und als das das letzte Mal passiert ist, weil das ganze Notarzt-Team und alles in kommen, und dann, bevor man dann wegtritt, sozusagen, habe ich noch schnell alles gesagt im Notarzt.

00:28:19: Was ist die Grunderkrankung?

00:28:22: Was muss er machen?

00:28:24: Also, was muss er machen?

00:28:25: Die wissen schon selber.

00:28:26: Aber was ist in dieser Situation am besten hilfreich?

00:28:31: einfach mitunter mal sedieren, also etwas zum schlafen geben, hohe Wein bringen, das hilft schon sehr viel, die gewissen Rhythmusmedikamente vorbereiten und geben, solche Dinge.

00:28:41: Und dann geht es ja noch weiter, wenn das in meiner Region passiert und ich werde in meinen Spital geliefert, das ist mein Bereich und betrifft primär mich.

00:28:52: Beziehungsweise, ich bin einer deren, die wissen vielleicht am ersten, was damit ist.

00:28:57: Ich sage jetzt nicht, dass die anderen das nicht können.

00:28:59: Aber ich weiß halt genau, was man beim Defi einstellen muss, was man nicht einstellen muss, was man nicht machen sollte und so weiter.

00:29:05: Meine Kollegen sind alle top.

00:29:08: Aber jeder hat so eine Subspezialisierung und meine ist halt dann fast genau das.

00:29:12: Und das macht es nicht immer einfach.

00:29:16: Ich habe sicher Mannkurs in gewissen anderen Bereichen, die die Kollegen gut abdecken können, aber man ergänzt sich dann auch immer als Team.

00:29:23: Und das zieht sich dann so durch.

00:29:25: Also du fühlst dich ständig verantwortlich für alles.

00:29:28: Und was natürlich deiner Familie gegenüber ein schlechtes Gewissen.

00:29:31: Weil du verursach denen ja kommen.

00:29:34: Es spielt einfach alles zusammen.

00:29:36: Also in der inneren Auge geht davon alles los.

00:29:41: Was heißt das für dich, Carmen?

00:29:42: Also nachdem du weißt, dass das jeden Moment passieren kann, blöd gesagt.

00:29:49: Hast du dich ausbilden lassen, was zu unternehmen ist?

00:29:54: Oder wie kann man dann vorsorgen, wenn man mindestens schon in der Nähe ist, was hier schon ein Geschenk wäre?

00:30:01: Meine Frau kennt sich, ist eine halbe Kardälogin.

00:30:05: Sehr fit.

00:30:06: Ich hab wirklich mal ganz kurz mit dem Gedanken gespielt, ob ein Medizinstudium für einen kranken Mann das Richtige wäre.

00:30:14: Hab dann aber abgesehen, weil ich gesagt, meine Kinder hatte, und das Organisator stand schwierig geworden.

00:30:21: Ich glaube, wir haben uns versucht, so gut vorzubereiten, wie es geht.

00:30:25: Also ich habe überall laminierte Checklisten rumliegen für mich, weil ich genau so eine Situation und dass Christian dann in der Rhythmusstörung oder in der Phase, wo er vielleicht kurz davor zur Bewusstsein zu verlieren, wegen der Rhythmusstörung oder vielleicht sogar geschockt wird.

00:30:41: Ich nicht mehr möchte, dass er irgendein Notarzt irgendwas sagen muss.

00:30:44: Das heißt, wir haben wunderbar laminierte Checklisten, wo ich in dem perfekten medizinischen Wortlaut, weil der Schild mir ja aufgeschrieben hat, sozusagen, was genau los ist, was ihm am besten hilft, auch welche Medikamente er nimmt.

00:30:58: Ich weiß eigentlich auch schon so relativ gut,

00:31:01: ja,

00:31:02: was dazu tun ist.

00:31:05: Sind auch solche kleinen Geschichten wie, also jetzt vorhin schon angesprochen, dass in der Akutphase eigentlich das Beste ist.

00:31:13: Lustiger, dass wir ruhig sein müssen.

00:31:15: Wir brauchen Ruhe.

00:31:17: Er hat gesagt, wenn er kurz von der Panikattacke steht oder tatsächlich eine hat, dann da Ruhe reinzubringen.

00:31:23: Das heißt, wir machen zusammen Atemübungen und versuchen dann gemeinsam ... uns so ruhig zu kriegen wie möglich.

00:31:32: Ich glaube, die Reanimation kann ich mittlerweile recht gut, aber man ist natürlich furchtbar aufgeregt.

00:31:38: Das

00:31:40: geht ja um Sekunden und das geht um Leben und Tod, oder?

00:31:43: Genau

00:31:44: und ich glaube, das steht und fällt auch so ein bisschen.

00:31:47: Ja, wo das Ganze passiert.

00:31:49: Ich hatte jetzt Glück.

00:31:51: Die letzten Male, wo ich zur Reanimation gekommen bin oder wo in solchen kritischen Phasen waren, hatte ich einmal Glück.

00:31:59: Das war einmal auf der Straße.

00:32:00: Da war eine Hausarztpraxis in der Nähe.

00:32:03: Und ich konnte einen Passanten los schicken, dass er in der Hausarztpraxis schnell jemand vom Ärzte-Team

00:32:10: war.

00:32:10: Sie war zu rasch, jetzt sehr hoch gewesen.

00:32:12: Ja.

00:32:12: Wir hatten ein ganzer hoher Zivilcourage, also es sind Leute stehen geblieben und wir hatten auch unsere kleine Tochter dabei.

00:32:20: Die hat sich im Übrigen auch total, also die hat das intuitiv verstanden, dass gerade eine Situation ist, wo sie, sie saß ganz ruhig zurückhaltend in ihrem

00:32:29: ... Sie saß

00:32:30: drei Jahre

00:32:33: ago.

00:32:33: Damals war sie ein Jahr alt, genau.

00:32:35: Und sie hat das intuitiv verstanden, war ganz ruhig und hat verstanden, dass gerade ... Und also die Zivilcourage war richtig hoch.

00:32:46: Ich glaube, die beste Vorbereitung, die ich mir machen konnte, war nach diesem ersten Ereignis um Olympia Park, das habe ich mir geschworen, dass wenn ich dabei sein darf, dann möchte ich versuchen, das so gut wie möglich hinzubekommen, weil das würde ich mir nicht verzeihen.

00:33:04: Ob ich es perfekt mache, das ist eine andere Sache, aber ich möchte versuchen, so gut wie möglich hinzubekommen.

00:33:08: Das bin ich mein Mann, das bin ich meiner Familie, das bin ich denen schuldig.

00:33:13: Wie oft passiert denn das jetzt, so ein Ereignis?

00:33:17: Also ihr kürzt, das letzte Mal war es jetzt vor zwei Jahren.

00:33:21: Zwei Jahre alt und dann ist ihr da entsprechend, da bin ich am Islspital.

00:33:27: Im Spital werde ich ja behandelt worden, verödet worden, also Verödung von dieser Rhythmostörung, entsprechend medikamentös eingestellt und jetzt hat sich so ein bisschen beruhigt und so wäre es eigentlich schön, wenn es so bleiben würde.

00:33:38: Das heißt ja, das war ja auch unsere Überlegung.

00:33:42: Super, das ist jetzt behandelt, stabilisiert.

00:33:45: Jetzt brauchen wir nichts mehr machen.

00:33:46: Dann kann man ja auch sagen, mit denen kann man trotzdem elter werden.

00:33:51: Sonst war schon bewusst, dass es in Richtung Transplant geht, schlussendlich.

00:33:56: Aber wir wollen jetzt natürlich so lange, wie es geht, rauszügeln.

00:33:59: Was aber jetzt einfach noch dazu gekommen ist, dass sich die Funktion verschlechtert hat.

00:34:03: Und dementsprechend wurde uns geraten, in Richtung Listung zu denken.

00:34:09: Also das heißt das Herz.

00:34:11: Teil seiner Pumpfähigkeit verloren, muss ich mir das so vorstellen.

00:34:15: Also die Pumpe arbeitet, also gerade im Herzen haben wir zwei Hauptkammern, eine rechte und eine linke und einen Vorhauf und also zwei Vorhüfe, ein rechte und ein linken Vorhauf.

00:34:24: und diese Art der Erkrankung betrifft nicht.

00:34:27: den Hauptbereich, also sprich den größten Teil des Herzens, das ist der linke Herzkammer, also das betrifft hauptsächlich die rechte Herzkammer.

00:34:33: Und die rechte Herzkammer ist eigentlich viel Muskel schwächer, die muss nicht so einen Druck aufbringen, weil es Blute nur in die Lunge weiter gebraucht werden muss.

00:34:42: Aber die ist riesengroß, die hat sich verändert und die führt dann zur Rhythmestörung, weil der Muskel nicht mehr Muskel ist, sondern der Muskel ist Narbengewebe.

00:34:50: Und das Herz konteriert sich nur, also das Strom.

00:34:54: führt jetzt schlussendlich zur Kontraktion vom Herzen.

00:34:57: Und das kontraiert sich natürlich nur, wenn du die bereits Leitungen in Ordnung ist.

00:35:02: Und der ist da nicht in Ordnung, kann zu kurzschlüssen führen.

00:35:05: Und da ist jetzt einerseits die rechte Herzkammer von der Funktion her deutlich eingeschränkt und undicht.

00:35:11: Also die Klappten sind undicht.

00:35:13: Und wir sehen dann vorhand der Blutwerte, die ein bisschen schlechter worden sind, dass wir jetzt momentan noch ein stabiles Fenster haben.

00:35:20: Aber das ist progressiv, das es weiterläuft.

00:35:22: Und das war jetzt für uns Auch wenn wir von alle Phasen von Kübler-Hoss durchgemacht haben, wo wir uns letztendlich jetzt gesagt haben, ich glaube, jetzt ist der Zeitpunkt, wir möchten stabil in so einer Situation gehen, so bewusst wir, mit dem Rücken zu Hause stehen und ganz dringend was gesucht werden muss, sondern wirklich ein bisschen Zeit haben und das stabilere Fenster nutzen.

00:35:46: Wie geht das dann jetzt mit deinem Alltag als Kardiologe?

00:35:51: Du arbeitest voll.

00:35:53: Das

00:35:54: geht super, weil ich bin so furchtbar dankbar, dass er jeden Morgen in die Klinik geht, weil ich weiß, sicher, da ist er

00:36:01: am besten aufgehoben.

00:36:02: Meine Arbeitskollegen wissen also die ganze Abteilung, wenn ich sogar das ganze Haus weiß, von meiner Vorgeschichte.

00:36:08: im Endeffekt und dementsprechend ist es für mich sehr angenehm bei der Arbeit.

00:36:14: Momentan kann man auch zum Glück, mein Arbeitgeber ist sehr coolant, ich muss jetzt gerade keine Nachtdienste machen.

00:36:21: Ist dann die Transplantation die einzige Alternative dieser Veränderung, in dem Sinne aus nicht lebensbedrohlich zu eliminieren?

00:36:35: Die Alternative wäre, nichts zu machen und Medikamente so weiterzufahren.

00:36:39: Aber das ist auch keine Dauerlösung.

00:36:41: Medikamente sind auch die, die ich jetzt gerade nehme.

00:36:44: Wir haben auch ein gewisses Nebenwirkungspotenzial.

00:36:47: Wenn die länger nimmt, steigt dieses Risiko.

00:36:49: Das will man natürlich auch nicht.

00:36:51: Das heißt, auf Dauer kannst du es auch nicht so machen.

00:36:53: Das ist eine Erkrankung, die prugetend ist, also sich weiterentwickelt und dementsprechend ist es schlussendlich die einzige Alternative.

00:37:02: Ich habe zwei Töste, ungefähr drei und anderthalbjährig.

00:37:08: Ist das bei zwei Menschen, die berufstätig sind und die jetzt auch mit dieser Last durch den Alltag gehen?

00:37:18: Eher eine Belastung, die man irgendwie mit viel Anstrengung meistern muss, oder ist das eine tägliche Freude?

00:37:29: Sowohl

00:37:30: als auch, hätte ich gesagt, oder?

00:37:31: Also es hat von beidem was.

00:37:33: Es hat von beidem was.

00:37:36: Ich habe vorhin gesagt, wir leben ja wirklich auch bewusster.

00:37:40: Also wir schätzen dieses Geschenk dieser Kinder, dass wir die beiden Kinder haben dürfen und auch die gemeinsame Zeit, die wir als Familie mit den Kindern haben dürfen, schätzen wir sehr.

00:37:50: Und wir schätzen auch... was wir mit den Kindern machen können.

00:37:54: Trotz dieser Einschränkung.

00:37:55: Und das ist wunderschön.

00:37:57: Das sieht man auch mal, wenn Christian mit den Kindern zusammen ist, das sieht man mal.

00:38:04: Selbst mit dieser Einschränkung, er kann viele Dinge nicht machen, die vielleicht ein ganz gesunder Papa machen könnte.

00:38:10: Also so Kinder auf den Schultern tragen oder überhaupt mal die Kinder tragen oder den Kinderwagen stoßen.

00:38:18: Das geht alles nicht.

00:38:20: Es sind

00:38:21: so viele Dinge.

00:38:23: Ja,

00:38:24: absolut.

00:38:28: Ja, du hast absolut recht.

00:38:30: Aber trotzdem, wenn man ihn sieht mit den Kindern und welchen Mehrwert er für seine Kinder bedeutet und welche Freude die Kinder mit diesem Vater haben, dann denken wir so, ach, das ist vollkommen egal.

00:38:42: Das gibt so viel Lebensqualität.

00:38:44: Das ist so schön.

00:38:45: Und also uns tut es furchtbar gut.

00:38:48: In Anbetracht dessen, dass wir wissen, was kommt, haben wir natürlich schon auch ein bisschen Bauchweh, weil die Kinder natürlich sehr klein sind.

00:38:56: und sie verstehen, wenn ein Papa da nicht zu Hause sein wird, sie verstehen, dass der Papa krank ist.

00:39:03: Also

00:39:04: ihr redet mit den Kindern über, in dem Sinne auch dein Handicap.

00:39:11: Ja, klar, wir thematisieren das ganz offen.

00:39:15: Das ist auch gar nicht so einfach, dass man da gute Zugänge dazu findet.

00:39:19: Uns ist wichtig, dass wir ehrlich sind, aber wir wollen sie natürlich auch nicht verängstigen.

00:39:23: Wir wollen versuchen, das so offen und so objektiv, wenn man das eben kann, mit einer einjährigen und vor allem mit einer dreijährigen anzugehen.

00:39:32: Aber zum Beispiel so eine ganz kurze kleine Episode davon, die irgendwie so Mir immer noch das Herz rührt, als wir mit ihr drüber gesprochen haben und ihr auch sie darauf vorbereitet haben, dass wir auf einen Anruf warten, wenn der Papa ein neues Herz bekommt, weil der Papa dringend neues Herz braucht, weil sein Skalk krank ist.

00:39:52: Dann hat sie gesagt, oh, dann geht der Papa ins Krankenhaus.

00:39:55: Und sie hat zwei Dinge, die ihr die allerliebsten sind, die sie trösten.

00:39:59: Und die können das, ich glaube, nicht überlegen.

00:40:01: Das ist ihr Nucki.

00:40:03: Ihr Schnulle.

00:40:04: Und sie hat wie ein kleines Kuscheltier, ein kleines Haarteil.

00:40:08: Das liebt sie über alles und das kann sie nicht schlafen.

00:40:11: Dann gehen wir ins Krankenhaus und sie nimmt ihren Schnulle und diesen kleinen Pfeffi, nimmt sie mit und die kriegt dann der Papa.

00:40:18: Und das hat gezeigt, dass sie verstanden hat, wenn der Papa im Krankenhaus ist, dann geht sie ihm nicht gut, dann hat er Schmerzen.

00:40:25: Und wenn es ihr nicht gut geht ... Dann hilft das ihr, dann tröstet sie das.

00:40:29: Und das sind so diese Momente, die sind so herbstwährend.

00:40:34: Begleitet dich dann, du bist ja auch berufstätig, wie ich das am Anfang schon gesagt habe, begleitet dich dann durch deinen Berufsalltag die Angst, dass etwas passieren könnte, wo du dann halt nicht dabei bist?

00:40:53: Ja, also so per se unterschwellig schon.

00:40:57: Aber ich glaube, was wir versuchen, ist, wir versuchen in unserem Alltag, dass wir nicht unmächtig werden oder uns von der Angst nicht besieben lassen.

00:41:04: Weil ich glaube, so eine Lektion, die wir auch gelernt haben, ist, so endlich dieses Leben ist und vielleicht auch endlicher bei uns ist, wie bei manch anderen ist, die Lebensqualität ist eigentlich das aller, allerwichtigste.

00:41:19: Und trotz all dem, was wir wissen, trotz all der Gefahr, glaube ich, ist das Wichtigste, dass wir ein so fröhliches, so glückliches, so unbeschwertes Leben wie möglich führen können.

00:41:32: Und ich glaube, wenn man sich da die ganze Zeit von dieser Angst besiegen lässt, wir sagen da immer wieder so, nein, es kommt Automatis.

00:41:38: Ich glaube, das Beste bei uns, ich muss da immer um das verbilden zu können, mir fällt in dieser Sensation immer ein.

00:41:45: Das sind aber die Montypiphon, Life of Brian.

00:41:50: Bis sie dann am Ende alle am Kreuz sind und dann fangen sie zu pfeifen und so ein Always Look on the bright side.

00:41:56: Wenn

00:41:56: du bis zum Hals in der Scheiße steckst, sollst du den Kopf nicht hängen lassen.

00:42:02: Wie geht es denn jetzt weiter, Christian?

00:42:05: Also jetzt dürfen wir noch mal in die Fähre hingehen, weil noch sind wir nicht ganz aktiv gelistet, sondern sind wir erst nach den Fähren.

00:42:11: Aktiv genießt.

00:42:12: Also ich hab noch so eine Karenzzeit von

00:42:14: drei Wochen.

00:42:16: Die dürfen

00:42:16: wir nutzen.

00:42:17: Bedingt, weil man auch ein paar Impfungen

00:42:19: gebraucht hat.

00:42:21: Allein da können wir sehen, wie glücklich wir sein dürfen.

00:42:24: Wir sind in so einer Situation, dass wir noch Impfungen vorholen dürfen und Dinge vorbereiten dürfen, die nach einer Transplantation nicht mehr möglich sind.

00:42:34: Manch ein Patient hat diese Chancen überhaupt nicht mehr.

00:42:37: Und wir sind in der glücklichen Lage bedürftig noch impfen.

00:42:41: Und wir stehen nicht so mit dem Rücken an der Wand.

00:42:44: Die ganzen Voruntersuchungen konnte man noch alle machen.

00:42:46: Ich glaube, ich bin einer der am besten.

00:42:50: untersucht es den Menschen.

00:42:52: Du wirst wirklich auf den Kopf bis Fuß oder auf den Kopf gestellt.

00:42:58: Aber jetzt nach diesen drei Wochen geht es dann in die aktive Listungsphase.

00:43:01: Das heißt, ihr dürft nicht mehr weggehen.

00:43:04: Ihr müsst innerhalb einer bestimmten Zeit.

00:43:07: Nein, eigentlich gar nicht.

00:43:09: Wir haben das nachgefragt bei uns.

00:43:12: gedacht war, dass man zwei Stunden im Spitalhaus sein muss.

00:43:17: Wir dürfen uns in der ganzen Schweiz bewegen.

00:43:19: Und ich meine, da waren wir eigentlich auch schon wieder froh, weil wir haben sowohl die Raumutier als auch kleine Italien zu sehen und wo wir dann einfach wirklich alles machen dürfen und können.

00:43:32: Sie haben von der Transplantierung gesagt, vielleicht nicht im letzten Eck von Graubünden.

00:43:35: Das könnte sein, dass es ein bisschen

00:43:39: schwierig

00:43:41: wird.

00:43:41: Aber das dürfen wir alles.

00:43:43: Also das heißt, wenn ein geeignetes Herz ... Da ist, hat ja jemand anderes sein Leben dafür gelassen.

00:43:52: Das finde ich auch nicht ganz einfach, damit umzugehen.

00:43:57: Ist für dich die Chance, weiterleben zu können, dann müsst dir relativ rasch ins Spital gehen.

00:44:05: Wo wirst du operieren?

00:44:06: In Bern.

00:44:08: In Bern.

00:44:08: Und das ist aber ganz wichtig für dich auch, aus Vertrauensbasis den Operateur zu kennen.

00:44:15: Das

00:44:15: ist ja auch so ... Die meisten haben ja nicht die Möglichkeit den Operateur kennenzulernen, weil wenn sie dann gelistet sind, kommt vielleicht noch, ist meistens passiert das nachts, was die Kollegen auf die man beschrieben haben, die Wahrscheinlichkeit, dass mich einer der beiden operiert, die ich jetzt kennengelernt habe, ist relativ hoch, außer es sind gerade beide auf Kongress oder in den Ferien, das natürlich, aber das sind sie eigentlich nicht, das haben sie auch selber gesagt, und das ist schon natürlich ein gewisses Vertrauensverhältnis.

00:44:43: In der Medizin, ich sage immer so, das ist mein Kredel.

00:44:46: Du musst nicht der allerbeste Arzt der Welt sein.

00:44:50: Du kannst der beste Arzt sein und das bringt dir überhaupt nichts, weil du den Zugang zu den Patienten nicht hast.

00:44:54: Schlussendlich müssen dir die Patienten vertrauen.

00:44:57: Und ich weiß nicht, wie man das macht, aber bei manchen funktioniert es überhaupt nicht, dass die sich wohlfühlen, aber bei manchen funktioniert es einfach.

00:45:04: Und schlussendlich muss man ein gewisses Vertrauen haben.

00:45:08: Das siehst du als Betroffener oder spürst du als Betroffener genauso wie als Arzt, oder?

00:45:14: Ja,

00:45:15: absolut.

00:45:16: Das ist schon so.

00:45:17: Wenn ich jetzt einen jemanden habe, der fachig sensationell ist, aber wo es menschlich überhaupt nicht passt, dann ist das für mich eine Kombination.

00:45:26: Ist das absehbar, wie lange es dauern könnte, bis ein geeignetes Herz?

00:45:32: Nein, das ist wirklich OLED.

00:45:34: Also wie lange es dauert.

00:45:36: Ah, OLED darfst du nicht sagen.

00:45:37: Man wird ja natürlich ganz klare Regeln.

00:45:39: Zeit OLED.

00:45:40: Zeit OLED,

00:45:42: ja.

00:45:43: Gestern mit einem Kollegen aus Lichtenstein telefoniert, der hat gesagt, ja, die Mediane, also die mittlere Zeit, bis man in der Schweiz einen Organ, einen Herz erhält, ist laut Medien online, ich weiß nicht genau, wo sie Quelle genutzt hat, nun neun Jahre.

00:45:58: Also das finde ich jetzt nicht lang.

00:46:00: Nein, ich auch nicht.

00:46:01: Das hat mich fast ein bisschen.

00:46:03: Ja, es kann wirklich sein, dass es morgen dann soweit ist, aber es kann natürlich sein, dass es in zwei Jahren ist.

00:46:09: Ich rechne nicht damit, dass es ganz so schnell geht, weil mein Blutgruppe nicht die häufigste ist.

00:46:14: Aber was ja auch gut ist, ist, dass wir es jetzt schon leisten können.

00:46:19: Genau, wir sind auch nicht heuer schon gelesen.

00:46:22: Mit welchen Gefühlen schaut ihr jetzt in diese Zukunft mit einer Transplantation, die dann schon auch ein großer Eingriff?

00:46:33: Vom Eingriff her sagen die Chirurgen immer, ist es eigentlich herzchirurgisch, einer der einfachsten Eingriffen.

00:46:38: Vom Eingriff her ist es laut Chirurgen, ich kann das nicht beurteilen, aber die Chirurgen sagen, das ist jetzt nichts, was wahnsinnig komplex ist, wie wenn du Herzklappe ersetzt oder dergleichen oder mehrere Reopérationen hast, das ist dann viel komplexer.

00:46:56: Vor der Operation per se habe ich jetzt nicht wahnsinnig Angst, lieber von irren Respekt.

00:47:01: Also einerseits von dem Zeitpunkt, wenn der Anruf

00:47:03: kommt.

00:47:04: Diese Situation, die ich versuche auszublenden, weil sonst ... Ja, sonst wäre ich wahnsinnig.

00:47:10: Weil ich weiß, okay, jetzt kriege ich den Anruf, es geht los.

00:47:13: Wo bist du gerade, was machst du gerade, wer ist gerade in der Nähe?

00:47:17: Wie läuft jetzt diese Situation, mich von meiner Familie verabschieden zu müssen?

00:47:22: Ich glaub, das wird emotional ganz schlimm.

00:47:27: Das glaube ich wirklich.

00:47:28: Ich versuche das wirklich weg zu verdrängen, muss

00:47:31: man sagen.

00:47:32: Und für dich, Carmen?

00:47:35: Ja, ich habe das vorhin schon gemerkt mit meinen Listen.

00:47:40: Ich sehe mich sozusagen als diejenige, die in dieser Zeit die Familie auch im Laufen halten muss.

00:47:47: Das heißt, ich schätze auch da, wir dürfen vorbereitet sein.

00:47:51: Wir wissen, dass dieser Anruf kommt.

00:47:52: Wann wissen wir nicht.

00:47:54: Aber ich habe schon angefangen mit wirklich... guten Vorbereitungen, weil das bedeutet ja, dass wir die Kinder gut betreut haben müssen.

00:48:02: Ich würde wahnsinnig gerne mitgehen, wenn der Anruf kommt.

00:48:05: Das heißt, ich habe jetzt schon solche Entscheidungswäume geplant.

00:48:09: Wann, so welcher Tageszeit rufen die Leute an?

00:48:12: Wen könnte ich kontaktieren?

00:48:13: Wir haben ein Netzwerk aufgebaut und die Leute wissen auch schon Bescheid, besonders rührend zum Beispiel, die Kita, in die unsere Kinder gehen, die haben schon eine Mitarbeiter-Sitzung.

00:48:25: und haben schon diesen Fall besprochen und haben uns auch da gesagt, dass sie unterstützen.

00:48:29: Wir haben tolle Freunde, die uns Unterstützung zugesichert haben.

00:48:32: Also das sicherlich, aber auch dass wir versuchen zu planen, wie kann es denn gehen, sodass wir die Kinder mit dabei haben können, aber dass auch ich für mein Mann da sein kann.

00:48:41: Und wir haben natürlich auch noch den Job.

00:48:44: Auch da ist, also jetzt für mich zum Beispiel ... Ich wohne richtig an der Hochschule.

00:48:49: Das heißt, je nachdem, wann dieser Anruf eben kommt, bedeutet das für mich, dass ich mitten im Semester stehe.

00:48:54: Und ich habe auch eine Verantwortung gegenüber meinen Studenten.

00:48:58: Das heißt, auch da versuche ich gerade alles so vorzubereiten, dass egal wann ich ausfall, dass ich schon diesen Backup... und dass ich dann in dieser Phase, wenn das dann nachts ist, da nicht mehr große E-Mail schreiben muss oder großartige Leute instruieren muss, sondern dass es so nahtlos wie möglich irgendwie geht.

00:49:18: Ob wir das hinkriegen?

00:49:20: Ich glaube, das, was mir in dem Kontext, in dem man ein Coaching macht und den Rahmen von diesem Coaching ist, ist das aufkommen, weil wir auch so gewisse Ängste und so weiter gesprochen haben und hat gesagt, setz dich hin, mach dir deine Gedanken und plane.

00:49:35: Versuch zu planen.

00:49:36: Wenn du das planst, ist auch die Unsicherheit besser erträglich.

00:49:43: Und, und, finde ich noch einen wichtigen Info, der mal hängen geblieben ist.

00:49:47: Und man sieht dann auch, es öffnen sich so viele Typen, man kriegt dann so viel Unterstützung und auf einmal ist dieses Riesenthema, oh Gott, der Anruf kommt und dann bricht unsere Welt zusammen, ist dann auf einmal gar nicht mehr so furchtbar schlimm, sondern man sieht, okay, es gibt den Weg dafür und... Wir kriegen das hin und auch dann diesen großen Prozess in diese kleinen Etappen.

00:50:09: Wir haben den in Phasen unterteilt, also in verschiedenen Phasen von Anruf bis erste Akutphase bis in Rehaphase aufgeteilt und haben geschaut, was bedeutet das für uns als Familie?

00:50:20: Was bedeutet das für die verschiedenen Situationen auch mit Kindern?

00:50:24: Wo können die dabei sein?

00:50:25: Den bräuchten wir jetzt Unterstützung.

00:50:27: Und dann sieht man auf einmal so, wow, dieser riesen, furchtbare Berg, den man davor sich hat.

00:50:32: Der ist bezwingbar.

00:50:34: Weil man ihn unterteilt in kleinere Teile oder die dann auch für alle machbar sind.

00:50:40: Genau.

00:50:40: Und das gibt mir halt.

00:50:43: Carmen und Christian, ganz vielen herzlichen Dank für dieses erste wunderbare Gespräch.

00:50:52: In nächsten Zusammentreffen möchte ich mit euch über den Umgang mit der Unsicherheit, also wenn das noch ein wenig näher rückt.

00:51:01: ob ein valables Herz gefunden werden kann diskutieren.

00:51:04: Ich möchte gerne aber auch das Warten noch einmal thematisieren und auch über die Tatsache ein Spenderorgan, etwas Fremdes in seinem Körper, das lebensnotwendig ist, zu kriegen, als Thema angehen.

00:51:22: Das war die erste Folge unserer Herzensgeschichten.

00:51:27: Ein Podcast, den man nicht nur als Langeweile hört.

00:51:31: Es geht darum.

00:51:33: Mein Name ist übrigens Kurt Eschbacher.

00:51:35: Meine Neugier nicht nur zu stillen, sondern auch Anteil zu nehmen an einer Geschichte, eine Familie, die mich auch persönlich sehr bewegt.

00:51:46: Herzensgeschichten und ich hoffe

00:51:48: auf bald.

00:51:48: Vielen Dank.

00:51:49: Danke schön, Kurt.

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